Knotenschrift

Quipu (bzw. Khipu), abgeleitet vom Spanischen „Quechua“ (Knoten) ist der Name einer Knotenschrift der Inca. … Wobei der Begriff „Schrift“ vielleicht etwas auf die falsche Fährte führt.

Schrift wie wir sie verstehen

Schrift besteht aus einzelnen  Symbolen und gibt für gewöhnlich je nach Sprache mehr oder weniger eindeutig einen Laut, eine Silbe oder ein Wort wieder. Dabei werden die Schriftzeichen mit einem Schreibwerkzeug auf einen dafür geeigneten Untergrund geschrieben. So war das im antiken Ägypten, so ist es im fernen asiatischen Raum, genau so bei uns in Europa

Quipu wird nicht geschrieben, sondern geknüpft

Die Knotenschrift der Inca diente in erster Linie nicht dazu, Worte wiederzugeben. Ihr Zweck war meistens schlichte Buchführung. In den verschiedenen Verwaltungsbezirken hielt man mit dem Knüpfen verschiedener Knoten zum Beispiel Ernteerträge oder geleistete Arbeitsdienste fest. Auch zur Erhebung der Steuern wurde sie verwendet.
Sie war aber wahrscheinlich auch in einer zweiten Variation zum Übermitteln von Nachrichten (vermutlich als Silbenschrift) in gebrauch.

Der erste Quipu ist auf 2600 v.Chr. datiert worden.   Bis ins 16. Jhd. n. Chr. (mancherorts sogar bis ins 20. Jhd.) setzte man Quipu in der Verwaltung ein.
Art, Anzahl und Größe der Knoten waren in der Schrift ebenso bedeutsam wie die Größe, Sorte und Farbe des Stranges. Die Stränge bestanden aus verzwintem Tierhaar- (z.B. Alpaca, Lama, Hirsch, Hase) oder Baumwollgarn und wurden je nach Bedeutung in verschiedenen Farbtönen gefärbt.

Farbbild eines Quipu der Inkas vom Larco Museum
Quelle: WikimediaCommons

Ein Quipu bestand aus einer Hauptschnur, an der mehrere Knotenschnüre als Nebenschnüre hingen, an denen wiederum mehrere Nebennebenschnüre angebracht werden konnten. Auch Quasten und Kartuschen fanden in einem Quipu Verwendung.

Im Jahr 1583 wurden Quipu vom Katholischen Provinzialkonzil von Lima verboten. Viele Quipu wurden von den span. Eroberern in dieser Zeit zerstört.  Nur noch ca. 2000  Stück sind bislang gefunden worden.

 

 

 

Fudepen

Der Fudepen (japan. Fude = Pinsel, engl. Pen = Stift), der auch gerne „Brushpen“ genannt wird, wurde ursprünglich für die ostasiatische Kalligraphie entwickelt.

Auf den ersten Blick wirkt das Schreibgerät wie ein gewöhnlicher Filzstift. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die Schreibspitze der eines festen Spitzpinsels entspricht. Dadurch kann man mit einen Fudepen den charakeristischen an- und abschwellenden Pinselstrich (jap. Fudenosuoke) malen bzw. schreiben.

Wie funktioniert ein Fudepen?

Für gewöhnlich werden im Fudepen keine Tierhaare oder Tierborsten verwendet. Vielmehr ist er mit synthetischen Feinhaaren besteckt.
Im Innern des Schafts ist eine Patrone verborgen, die durch ein Tuschereservoir die Pinselspitze mit Tusche oder Tinte versorgt.

Es gibt auch Pinselstifte mit auffüllbarem Tank, die sich u.a. auch mit Aquarellfarben befüllen lassen. Diese Pinselstifte haben einen weichen Kunststoffschaft. Durch Druck auf den Schaft kann die Flüssigkeitsmenge, die abgegeben wird, gesteuert werden.

Wer hat’s erfunden?

Entwickelt wurden Brushpens um 1972 in Japan. Eigentlich sollten sie nur das Schreiben von Kalligraphien erleichtern. Da das Anmischen der traditionellen Kalligraphietusche sehr aufwendig war, stellten schreibfertige Bruspens eine enorme Arbeitserleichterung dar.  Doch schon bald fanden sie auch bei  Manga- und Animezeichnern Verwendung.

Heute

Inzwischen erfreuen sich Fudepens auch im westlichen Raum einer wachsenden Beliebtheit. Zum einen eignen sie sich wunderbar zum Schreiben einfacher bis anspruchsvoller Kalligraphien und zum anderen sind sie ein unerlässliches Werkzeug für das populär gewordene Handlettering.

Fudepen
Fudenosuke bedeutet „Hilfe des Pinsels“ – geschrieben mit dem Fudepen

 

Produktempfehlungen:

Für Brushletterings mit präziser Strichführung ist der Fudenosuke  Tombow WS-BH 150, schwarz, von Tombow *   bestens geeignet. Der Metallring hält die Kunsthaarspitze in Form. Der erste und der letzte Pinselstrich im Leben eines Fudenosuke sind qualitativ nahezu identisch!

Der “Art Pen Brush”  von Kreul *   ist einer für’s Grobe. Große Flächen lassen sich schnell tief schwarz ausmalen und große, verspielte Schriften sind auch kein Problem. Die weichen Spitze ist für Anfänger allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und der Tuscheverbrauch ist vergleichsweise groß.

Mit dem “Art Pen Calligraphy” von Kreul * kann man die Strichführung einer Bandzugfeder oder eines Plakatschreiberpinsels nachahmen. Allerdings ist der Stift nicht ganz so präzise. Dafür ist die Schreibgeschwindigkeit ungeschlagen. Per Definition ist der Pen Calligraphy kein echter japanischer Fudepen.

Farbige Texte mit einer mittleren Schrifthöhe schreibe ich gerne mit den Brush Pens 1340 von Edding*.  Sie sind sehr leuchtstark und geben gut die farbige Tinte ab.

Den Umgang mit Fudepens kann man in meinen Schriftkursen erlernen. Schau doch mal vorbei!

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Blindtext

Auch einen Blindtext kann man gut sehen. Dafür ist er ja auch gemacht. Sein Zweck ist, Buchstaben als Platzhalter einzusetzen.

Satzspiegel und Layout

In erster Linie verwendet man Blindtext in der Typographie um das Layout oder den Satzspiegel eines noch nicht fertigen Textes in einer Publikation zu simulieren. Bekommt ein Journalist beispielsweise eine bestimmte Textlänge (Autoren berechnen ihre Textelänge in der Anzahl der Zeichen bzw. der Anschläge) zugewiesen, können Redakteur und Setzer mit einem Blindtext die Zeitungsseite bereits mit einem entsprechend langem Blindtext Schrifthöhe, Schriftart, Spaltenanzahl usw vorausplanen, bevor der eigentliche Artikel fertig ist.

Warum nicht einfach auf die Tasten draufloshauen?

Ein Schriftbild besteht aus verschieden langen Wörtern, Leerzeichen, Punkten, Kommatas und allem was die Schreiberei halt noch so mit sich bringt. Würde man nur wahllos auf die Tasten drücken, würde der Gesamteindruck niemals den Zweck eines simulierten Druckbildes ergeben.

Lorem ipsum

Das „Lorem ipsum“ ist vermutlich der prominenteste Blindtext. Der vermeintlich lateinische  Wortlaut: „Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit, sed eiusmod tempor incidunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquid ex ea commodi consequat. Quis aute iure reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur. Excepteur sint obcaecat cupiditat non proident, sunt in culpa qui officia deserunt mollit anim id est laborum.“
Hört sich gesprochen wie gesungen (wird auch beim Komponieren als Platzhalter für Strophen und Refrain verwendet) vielleicht schön und gebildet an – ist aber absolut sinnfrei und beinhaltet zahlreiche frei erfundene Wörter.
Das Lorem ipsum ist zwar äußerst populär. Dennoch gibt es sehr unterhaltsame Alternativen. Mir gefällt besonders das „Bacon ipsum“: „Bacon ipsum dolor sit amet doner meatball jowl short ribs, chicken prosciutto salami frankfurter. Pig drumstick turducken short ribs, brisket meatloaf ham hock shankle andouille corned beef strip steak. Venison ham bresaola strip steak. Pork belly ribeye prosciutto t-bone.“ Hierzu findet sich mit dem Veggie ipsum auch eine vegetarische Variante …

Schriftvorschau

Eng verwandt mit dem Blindtext sind Pangramme. Sie dienen dazu Schriftbilder miteinander zu vergleichen.  In einem möglichst kurzen Satz bemüht sich ein Pangramm möglichst alle Buchstaben eines Alphabets darzustellen. Vor der Installation eines neuen Schrifttyps erscheint bei Windows beispielsweise dieser schlaue Satz: „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“ Sinnfrei wie ein Blindtext ist ein Pangramm also nicht. … zumindest nicht vollkommen.

 

fiktive Schriften

Es war einmal in einer weit, weit entfernten Galaxis. Im Jahre 1977 schlich ein älterer Herr, gekleidet in einer Kutte, durch die Gänge des imperialen Todessterns. Sein Ziel: Ein kleiner, unscheinbarer Hebel, der mit dem Wörtchen „Traktorbeam“ beschriftet ist.

Moment mal! In einer weit, weit entfernten Galaxis steht Text in lateinischer Schrift?

Das hat sich das Team um George Lucas irgendwann wohl auch gefragt, denn als die  überarbeitete VHS Version von „Star Wars“ 1997 erschien, ersetzten sie den Schriftzug durch unleserliche Symbole. Man könnte meinen, dass die Zeichen willkürlich gesetzt und als Platzhalter verwendet wurden. Dann wären die Schriftzeichen inhaltlich vollkommen leer.
Aber nein! Das Star Wars Universum hat inzwischen sein eigenes Alphabet: das Aurebesh! Der Name des Schriftsystems leitet sich von den ersten beiden Buchstaben „Aurek“ und „Besh“ ab – was eine direkte Parallele zu „Alpha“ und „Beta“ unseres Alpabets ist. Auch hat das Aurebesh 26 Buchstaben. Angeblich hat die Schrift eine geschichtliche Vergangenheit, die über 25.000 Jahre  zurückreicht.  Da  kann natürlich keine irdische Schrift mithalten …

Das Alphabet des Star Wars Universums

 

Auch andere Kinofilme,  TV-Serien, Comics und Bücher  bedienen sich fiktiver Schriften und Sprachen. So findet man beispielsweise im „Spacecenter Babylon 5“ die Schrift „Babcent“ oder bei „Star Trek“ „tlhIngan pIqaD“, was wohl „Klingon“ bedeuten soll. Von einfacher stilistischen Spielerei darf man im letzteren Fall nicht ausgehen. Klingonisch ist eine eigene (funktionierende) Sprache, die sogar mit eigener Rechtschreibung und Grammatik aufwarten kann. Da ist Klingonisch schon etwas ganz besonderes.

Klingonisch
Scotty hatte seine Probleme mit Klingon: „Geben Sie mir noch einen Tag, Sir. Die Maschinenkontrolle ist einfach, aber die klingonische Schrift ist schwer.“

 

Zur wahren Meisterschaft hat es J.R.R.Tolkien gebracht. Als Weltenbauer und Philologe hat er für seine „Mittelerde“ so  umfangreiche Sprachen und Schriften kreiert, dass selbst heute noch äußerst umfangreiche sprachwissenschaftliche Analysen zu seiner Welt verfasst werden. Die verwendeten Schriften im „Hobbit“ und in „Herr der Ringe“ lehnen sich dabei u.a. aber stark an unsere irdischen Runen.

Zwergenrunen
Manche Runen kann man nur bei Mondlicht lesen.

 

Im absoluten Kontrast  dazu steht das Alphabet der Computerspiel-Serie „Die Sims“. „Simularisch“ bedient sich als Schrift (genauso wie als Sprache) bei vielen irdischen Kulturen.  Ob Schrift und Sprache verbindlich übersetzt werden können, wurde von der Softwareschmiede Electronic Arts allerdings noch nicht bekannt gegeben.

Simulanisch
Die Sims sprechen und schreiben Kauderwelch – oder auch nicht. Wer weiß?

Sind falsche Alphabete Popkultur?

Sinn und Zweckt fiktiver Alphabete dient nicht immer nur der moderneren Unterhaltungskultur. Schon in früheren Zeiten wurden Schriften entworfen: Manche sollten verwirren, andere täuschen oder schlicht dekorieren.

Ausschnitt aus dem Voynich-Manuskript.

 

Ein paar Beispiele: Beim Voynich-Manuskript (1500 n.Chr.) ist man sich nicht sicher, zu welcher Kategorie es gezählt werden muss, denn bis heute konnte es nicht entschlüsselt werden.
Das Alphabet der Bété-Sprache besteht aus über vierhundert Zeichen. Lesen können muss man diese Schrift aber nicht, denn sie ist Kunst des ivorischen Kulturchronisten Frédéric Bruly Bouabré.
Henry-Alexandre-Alphonse Legrand schrieb im 1900 Jahrhundert in einer  eigenes erschaffenen Schrift die Manuskripte für einen Geheimbund. Die Schrift ist so geheim, dass offenbar nur er selbst sie lesen konnte …

Als fiktives Alphabet könnte man vielleicht auch das „reformierte Ägyptisch“ bezeichnen. Niemand (nicht mal ein Ägyptologe) hat diese Schrift je zu Gesicht bekommen; außer Joseph Smith, der das Buch Mormon unter Zuhilfenahme der Sehersteine Urim und Tummim ins Englische übersetzte und dadurch das Mormonentum gründete.

Hieroglyphen

Die relativ komplizierten Ägyptischen Hieroglyphen benötigten achtzehn verschiedene stilisierte Bilder um das Wort Kleopatra zu bilden. Allein an diesem Beispiel erkennt man, warum die Schrift nur einer gehobenen Elite zugänglich war und die Stellung des
„Schreibers“ durchaus mit Macht verbunden war.

Schriftkundige in Ägypten
In der Mitte die Hieroglyphe des „Schreibers“. Rechts erkennt man in dem Symbol das stilisierte Holzbrett mit zwei Einbuchtungen für die Farbe

„Liebe Buchstaben wie deine Mutter, denn durch ihre Kenntnis kannst du dich vor harter Arbeit schützen und ein Beamter hohen Rufs werden.“
(Rat eines ägypt. Beamten an seinen Sohn, Quelle: Donald Jackson „Die Geschichte vom Schreiben“)

Der Begriff „Hieroglyphe“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Heilige eingegrabene Schrift“. Die Ägypter selbst nannen sie jedoch „medu-netscher“, die Schrift der Gottesworte.  Hieroglyphen hatten heilige, magische Bedeutung.

Die Schriftzeichen sind Piktogramme bzw. Ideogramme, also symbolhafte Bilder mit mehr oder weniger eindeutiger Bedeutung, die seit 3200 v.Chr. verwendet wurden. Daraus entwickelten sich später auch Phonogramme. Das Ägyptische Schreiben kannte nämlich nicht nur Hieroglyphen. Vielmehr entwickelten sie das Hieratische (Priesterschrift) und das Demotische (Volksschrift) als spätere Entwicklungsstufen. Die Schriften lösten sich in ihren Entwicklungsstufen nicht ab, sondern coexistierten in unterschiedlichen Verwendungen. Die Piktogramme und alphabetischen Zeichen wurden oft gemeinsam verwendet, oftmals nicht zur Ergänzung, sondern als sinngleiche Wiederholung. Schriftkundige hatten somit viele hundert Schriftzeichen zu beherrschen. Wikipedia spricht sogar von bis zu 7000 Schriftzeichen.

Hieroglyphen konnten als Lautzeichen ebenso als ganzes Wort­ und Deutzeichen benutzt werden. Das Symbol für Hand konnte als Wortzeichen einfach „Hand bedeuten“ oder als Konsonant „d“ in einer Lautschrift eingefügt werden.

Die Ägypter erfanden als Schreibwerkzeuge Rohrpinsel sowie schwarze und rote Tinte. Geschrieben wurde gewöhnlich auf Papyrusrollen. Geschrieben wurde meist von oben nach unten, später auch von links nach rechts.

Als 323 v. Chr. das Altgriechisch zur verwaltungssprache Ägyptens wurde, wurden die ägyptischen Schriftsysteme allmählich ausgetauscht und gerieten mit der Zeit gänzlich in Vergessenheit.

Erst mit Napoleons Ägyptenfeldzug im Jahre 1799 fand man durch die Entdeckung des Steins von Rosetta erneut Zugang zum Verständnis des ägyptischen Schriftsystems.

Runen

Vermutlich wird keiner anderen Schrift so viel Magie nachgesagt wie den Runen.  Diese germanischen Schriftzeichen nehmen in vielerlei Hinsicht eine besondere Stellung in der Schriftgeschichte ein.

Geritzt

Im Gegensatz zu den meisten anderen Schriften wurden Runen nicht konstruiert oder geschrieben. Weder Griffel noch Feder waren die üblichen Schreibwerkzeuge. Sie wurden gekratzt, geschlagen oder geritzt. Das ist auch der Grund, warum diese Schrift überwiegend aus geraden und eckigen Formen besteht.
Es gibt verschiedene, sehr lokale, Schriftsysteme, die unter dem Sammelbegriff „Runen“ zusammengefasst werden. Darunter findet man Lautschriften, wo jedem Zeichen im Alphabet ein Laut zugeordenet wird, aber auch Begriffzeichen und Zahlen.

Futhark

Das Futhark ist die Runenreihe der Lautschrift. Sie hat nicht die für uns gebräuchliche „ABC“-Reihenfolge. Von daher leitet sie ihren Namen von den dortigen ersten Buchstaben ab: ᚠᚢᚦᚨᚱᚲ, F–U–Þ–A–R–K. Ihre 24 (bzw. 16) Schriftzeichen waren vermutlich ab 50 n. Chr. in Gebrauch. Trotz ihres ungewöhnlichen Erscheinungsbildes haben Runen ihren Ursprung vermutlich bei den  lateinischen bzw. griechischen Schriften. Doch entsprechend des Sprachgebrauchs wurde das Alphabet um einige Schriftzeichen erweitert. Erstmals gab es nun auch Zeichen für „J“, „U“, „W“ und „Þ“ (gleichbedeutend mit „th“). Der Laut für das englische „th“ wurde wohl später in die beiden uns bekannten Buchstaben „t“ und „h“ des lateinischen Alphabets zurücktransformiert.

„runa“ bedeutet Geheimnis

Doch Runen wurden nicht nur als schlichte Gebrauchsschrift verwendet. Sie galten als Entität der Schöpfung und verbanden das Magische mit dem Realen.  Die Runenkunde war das Eigentum der Priester und der „edlen Frauen“.
Als Schutzzeichen unter der Geburt oder auch  für Weissagungen wurden sie u.a. verwendet. So wurden beispielsweise für das Runenorakel die Schriftsymbole in kleine Holztäfelchen geritzt. Diese wurden in einen Leder- oder Stoffsack gesteckt und gemischt.  Dann wurde eine bestimmte Anzahl der Täfelchen gezogen und geworfen. Die Art, die Ausrichtung und die Reihenfolge der Symbole ließen dann die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft deuten. Auch heute noch finden Runen in der Esoterik ihre Verwendung. Die angewandten Regeln wirken mitunter jedoch recht beliebig.

Das dritte Reich

Nationalsozialisten und Neonazis interpretieren die altgermanischen Schriftzeichen gerne für ihre Zwecke politisch-esoterisch. So fanden Runen auch Einzug in deren Propagandamaschinerie.

Der Österreicher Guido „von“ List (1848-1919), Gründer des „Hohen Armanen Ordens“, veröffentlichte 1908 „Das Geheimnis der Runen“. Die darin von ihm aufgestellte Behauptung, dass die Runen die älteste Schrift der Menschheit sei, ist zwar absolut haltlos, doch wurde rasch verbreitet und von den Nazis übernommen.
List erweiterte in seinem Werk das Futhark um achtzehn weitere selbsterfundene Zeichen. Das letzte Zeichen dieser Reihe war eine Mischung aus „Wolfsangel“ und Hakenkreuz.

U.a. von diesem Werk ausgehend, nutzten die Nationalsozialisten die Runen als Symbole im Sinne der mythologisch-esoterischen Bedeutungen. Die „Thule Gesellschaft“, ein nationalistischer Orden, der den Aufstieg der nationalfaschistischen Partei finanzierte, erschuf sich eine neue Religion, die aus einer Mischung von Legenden der Edda, Grimms Märchen, den Wagneropern, alten Bräuchen und Gralsmythen bestand. Runen gehörten unweigerlich mit zu diesem Gedankenkonstrukt.

Mittelerde

J.R.R.Tolkien verwendete in seinem Roman „Der Hobbit“ ein angelsächsiches Runenalphabet. Später entwickelte er für seine fiktive Welt „Mittelerde“ weitere eigene Schriften, so auch das „Cirth“ genannte Runenalphabet.

 

Hier endet meine kleine Übersicht zu einem sehr komplexen Thema.
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Euer Markus Walther

Unziale

Die Unzial ist eine reine Buchschrift; d.h. sie wurde immer nur geschrieben und nicht – wie beispielsweise die römische Capitalis – in Stein gemeißelt. Als Schreibwerkzeug diente zumeist die Rohrfeder. Die runden Formen der Strichführung begünstigte das Schreiben auf  Pergament. Die Unzialschrift entwickelte sich im 4. Jahrhundert nach Christus. In dieser Zeit zerfiel das Römische Reich und das Christentum verbreitete sich mehr und mehr.

Wie alle vorausgegangenen Alphabete bestand die Unziale nur aus Versalien (Großbuchstaben), doch einzelne Buchstaben erhielten zur besseren Lesbarkeit Ober- und Unterlängen. Hieraus entstanden in späteren Zeiten die uns heute bekannten Kleinbuchstaben.

 

+ & oder und

Um das Bindewort „und“ abzukürzen, schreibt man schon mal gerne ein „+“ oder ein „&“. Solange dies nur für die eigenen Notizen ist, ist diese Kurzschreibweise natürlich bequem und unproblematisch.

Streng genommen sind die Bedeutungen der Zeichen allerdings nicht sinngleich mit dem Wort und haben andere Anwendungsgebiete. Deshalb ist die Schreibweise des Bindewortes „und“ nicht egal.

Et

Das Schriftzeichen „&“ ist eine sogenannte Ligatur (in der Kalligraphie und Typographie bezeichnet man so eine Kombination aus zwei Buchstaben). Abgeleitet aus dem Lateinischen bedeutet es „et“ und soll – laut Duden – im Deutschen eigentlich nur bei Fimenbezeichnungen wie „Mustermann & Co. KG“ verwendet werden. Von daher wird es auch Kaufmanns-Und genannt.
Entstanden ist das Et bereits in der Spätantike. In der Karolingischen Minuskel (eine Schriftart) verschmolzen häufig die Buchstaben „e“ und „t“.

das Et
Entstanden aus einer Ligathur der Karolingischen Minuskel formte sich das & im Laufe der Zeit zu seiner heute gebräuchlichen Form

Im Englischen nennt man das „&“ wohlklingend „Ampersand“, da es beim Buchstabieren von den Briten ursprünglich nach dem „Z“ mit „and per se and“ aufgesagt wurde.

Plus

Das Schriftzeichen „+“ ist im engeren Sinne nur ein Rechensymbol, das zum Addieren verwendet wird bzw. zum Kenntlichmachen positiver Werte. In Fließtexten hat das kleine Kreuzchen somit nichts zu suchen.

Pflanzensymbolik in der Trauerkultur

Palmedel

Der Palmwedel ist ein häufig verwendetes Symbol auf Trauerschleifen. Er ist ein Sinnbild für das ewige Leben und die Auferstehung (bei den Griechen auch Sieg, Freude und Frieden). In der christlichen Kunst gilt er als Märtyrer-Attribut.
Die Bedeutung ist vermutlich bereits auf die Babylonier und Ägypter zurückzuführen, denn hier galt die Palme mit elastischem Stamm, der im Wind nicht brechen kann, als „Lebensbaum“.

Wein

In der Symbolik verschiedener Kulturen gilt Wein häufig als
„Lebenssaft“. Der Weinstock ist bereits seit der Antike ein Symbol des Lebens und der Wiedergeburt.
Im Islam gilt er als Zeichen göttlicher Liebe und der „Seinsfülle in der Ewigkeit“.
Im jüdischen und christlichen Symboldenken ist der Rebstock ein heiliger Strauch mit vielfältiger Bedeutung; er galt als Sinnbild des Volkes Israel, als Baum des Messias und als Messias selbst, der die Gläubigen wie die Rebzweige trägt.

Rose

Die Rose, in der Symbolik  ein Zeichen der Liebe, Zuneigung, aber auch der Verehrung der Toten, ist wegen ihres Duftes, ihrer Schönheit und Anmut eine häufig verwendete Symbol-Pflanze.
Im Christentum symbolisiert sie das vergossene Blut und die Wunden Christi. Dadurch verkörpert sie zugleich die mystische Wiedergeburt.
Da sie im Mittelalter ein Attribut der Jungfrauen war, ist sie auch ein Mariensymbol.

Ilex und Efeu

Ilex und Efeu sind, wie viele immergrüne Pflanzen, ein Symbol für Unsterblichkeit. Daraus abgeleitet sind sie auch Symbolpflanzen für das Ewige Leben, die Hoffnung und Jesus Christus.
Ilex gilt in Kombination mit Efeu als das männliche Teilelement, Efeu als das weibliche Teilelement.

Weide

Die Trauerweide ist wegen ihrer an rinnende Tränenströme erinnernden erdwärts geneigten Gestalt oft ein Symbol der Totenklage.
Am Palmsonntag geweihte Weidenzweige galten im Mittelalter unter anderem als Schutz vor bösen Einflüssen.

Ähre

Als Sinnbild des Lebens und als Grundstock der potenziellen Moglichkeiten gilt das Samenkorn. Der Samen, der in der Erde stirbt, um eine Pflanze entstehen zu lassen, ist ein Symbol des ständigen Wechsels zwischen Tod und Neubeginn, aber auch ein Sinnbild des Opfers sowie ein Symbol für die geistige Neugeburt des Menschen. Die Ähre ist in der christlichen Kunst ein eucharistisches Sinnbild des Leibes Christi. Im Mittelalter kann die Ähre jedoch auch in Verbindung mit dem „Schnitter“ -also dem Tod- gebracht werden.

Trauerfloristik und Umeltschutz

Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur ist auch in der Trauerfloristik ein wichtiges Thema. Floristen müssen sich durchaus um die in Kränzen und Sträußen eingesetzten Deko-Materialien Gedanken machen .
Trauerschleifen müssen umwelttechnische Unbedenklichkeit aufweisen, und das nicht nur wegen der immer strenger werdenden Friedhofsauflagen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Trauerkränze und Sträuße kompostiert werden. Deshalb darf beispielsweise auch kein lackierter Draht zum Binden von Kränzen verwendet werden.

Symbol "Rose" auf einer Kranzscheife
Blütenkranz mit pinkfarbener Trauerschleife

Die meisten Seidenbänder sind heute vollständig biologisch abbaubar. So sind die Kranz- und Florbänder aus Seidenacetat, also Zellulose aus Holz, welches komplett und rückstandfrei in der Erde verrottet. In meinem Sortiment verzichte ich komplett auf Bänder mit Gold- oder Silberrand. Der für die Schmuckränder eigewebte „Lurex“-Faden besteht aus Aluminium und Polyester.

Die von mir verwendeten Farben sind lösemittelfrei (d.h. das Lösemittel ist Wasser) und belasten somit weder Gesundheit, noch Umwelt.